Bachelorarbeit Reto Michel

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Diplomand
Reto Michel
Betreuer
Prof. Dr. Jürg Speerli
Experte
Dr. Guido Lauber
Disziplin
Wasserbau
Jahr
2013
Sauberes Wasser für die Milch aus Alpengebieten
Alpwasserversorgung Grabs
Die Alpwasserversorgung der beiden Alpgebiete Gamperfin und Ischlawiz bei Buchs im Kanton St. Gallen ist heute mangelhaft. Sie erfüllt nicht die hygienischen Anforderungen, um dort eine regelkonforme Milchwirtschaft zu betreiben. Dabei gäbe es zwei unterschiedliche Lösungen, die der Ortsgemeinde Grabs einen ordnungsgemässen Betrieb der Alpwasserversorgung ermöglichen würden.

Die Ortsgemeinde Grabs betreibt für die beiden Alpgebiete Gamperfin und Ischlawiz eine Alpwasserversorgung, die in den 1970er-Jahren zu Tränkezwecken erstellt wurde (Abb. 01). Heute ist die Bewirtschaftung der Alpgebiete stark von der Milchwirtschaft geprägt, folglich müssen diverse lebensmittelrechtliche Mindestanfor­derungen erfüllt werden. Bis anhin war die Anlage diesbezüglich mangelhaft: Fäkalbakterien verunreinigen das Wasser. Deshalb sind nun Massnahmen erforderlich. Vorerst waren die quantitativen und qualitativen Mängel der Alpwasserversorgung Grabs aufzuzeigen und unter Berücksichtigung der finanziel­len Mittel ein Massnahmenplan zu erarbeiten. Diese Massnahmen sollen der Ortsgemeinde Grabs einen Betrieb der Alpwasserversorgung ermöglichen, der den rechtlichen Anforderungen genügt.

Regelkonforme Wasserversorgung
In einem ersten Schritt wurde das bestehende Netz der Wasserversorgung auf Kapazitätsprobleme untersucht und gleichzeitig geprüft, ob eine Notwasserversorgung zwischen den Systemen Gamperfin und Ischlawiz möglich ist. Eine Begehung vor Ort und die gültigen Rechts­grundlagen deckten schliesslich die Unzulänglichkeiten am System auf. Aufgrund dieser ­Abweichungen gegenüber den Mindestanforderungen erarbeitete der Autor schliesslich einen Massnahmenplan und zeigte mögliche Auf­bereitungsverfahren zur Verbesserung der Wasserqualität auf. Um eine aussagekräftige Diskussionsgrundlage zu erhalten, erstellte er zudem Kostenschätzungen für verschiedene Szenarien.

Reduzieren oder erweitern?
Die hydraulischen Nachrechnungen zeigen, dass einzig in gewissen Abschnitten des Systems Gamperfin mit Kapazitätsproblemen zu rechnen ist. Eine neue Leitung mit einem ­grösseren Durchmesser kann diese Knappheit weitgehend beheben. Die Nachrechnungen zeigen zudem, dass die vorhandenen Reservoirgrössen ausreichen, den täglichen Wasser­bedarf abzudecken. Ausserdem kann eine Notversorgung nur von Ischlawiz nach Gamperfin erfolgen.
Die ungenügende Situation in der Qualität der Wasserversorgung kann mit zwei Massnahmen behoben werden: Entweder wird die Anlage auf eine reine Tränkewasserversorgung reduziert, was die Anforderungen an sie herabsetzt, oder es wird mit einer zentralen oder dezentralen Aufbereitungsanlage eine Wasserversorgung mit Trinkwasserqualität erreicht.

Reine Tränkewasserversorgung
Mit der Reduktion der Alpwasserversorgung auf eine reine Tränkewasserversorgung bietet sich für die Ortsgemeine Grabs eine kostengünstige Variante. Der Entscheid bedingte lediglich geringe Anpassungen an den bestehenden Systemen. Beispielsweise müssten ein neuer Sammelschacht erstellt, gewisse Quellschächte angepasst sowie Deckel von Reservoiren und Wassertanks mit abschliessbaren Deckeln ausgerüstet werden. In diesem Fall läge die Verantwortung für die Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Vorschriften beim jeweiligen Bezüger. Gerade aufgrund der tieferen Kosten empfiehlt der Autor, die Alpwasserversorgung Grabs als reine Tränkewasserversorgung zu betreiben und sie als solche zu deklarieren.

Aufbereitungsanlage
Fällt der Entscheid dennoch gegen eine reine Tränkewasserversorgung und für eine zentrale oder dezentrale Aufbereitung, fallen die Kosten höher aus. Ausserdem müssten unverzüglich Abklärungen zur Bestimmung einer geeigneten Aufbereitungsmöglichkeit getätigt werden.
Für die zentrale Aufbereitung des Wassers ­eignen sich UV-Anlagen oder Keramikfilter, für die dezentrale Aufbereitung lediglich UV-Anlagen. Sowohl für die Aufbereitung mittels UV-Anlagen wie auch mit Keramikfiltern müssen gewisse Bedingungen eingehalten werden. So ist beispielsweise die Einsatzmöglichkeit der Keramikfilter stark von den Quellschüttungen abhängig.
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