Bachelorarbeit Manuel Darms (Auszeichnung)

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Diplomand
Manuel Darms
Dozent
Dr. Franz Gallati, dipl. Bauing. ETH
Experte
Serafin Rensch, dipl. Bauing. FH/SIA/RegA/stud.iur
Disziplin
Ingenieurbau / Wasserbau
Jahr
2010
Einwohner vor Hochwasser schützen
Konzepte für den Hochwasserschutz und Renaturierungsmassnahmen der Seeweren
Der Bach Seeweren, der durch die Ortschaft Seewen bei Schwyz fliesst, ist kanalisiert und kann nicht einmal ein alle zwei Jahre wiederkehrendes Hochwasser ableiten. Um diese Gefahr zu beheben und dem Bach einen natürlicheren Lauf zurückzugeben, sind Lösungen zur Hochwassereindämmung im Zusammenhang mit Renaturierungs- massnahmen gesucht.

Seewen ist eine Ortschaft innerhalb der Gemeinde Schwyz und liegt südöstlich des Lauerzersees. Die Einwohnerzahl betrug im Jahr 2007 rund 3500. Durch das Dorf fliesst der Bach Seeweren, der aus dem Lauerzersee abfliesst und nach etwa 2.4 km in die Muota mündet, die wiederum bei Brunnen in den Vierwaldstättersee fliesst.
Die Seeweren weist grosse Defizite im Hochwasserschutz auf. Das bestehende Bachbett vermag nicht einmal ein alle zwei Jahre wiederkehrendes Hochwasser (HQ2) von 22 m3/s ohne Überschwemmungen abzuleiten. Dies stellt eine Gefahr für die Einwohner dar. Hinzu kommt, dass die Seeweren auf ihrer ganzen Länge kanalisiert ist, was der heutigen, natürlichen Gewässerphilosophie widerspricht. Eine Fischwanderung zwischen der Muota und der Seeweren ist aufgrund der flussbaulichen Situation nicht möglich.

Drei Abschnitte im Flusslauf
Die Seeweren kann, je nach örtlichen Gegebenheiten, grob in drei Abschnitte unterteilt werden: Der oberste Abschnitt grenzt unmittelbar an das Dorf. Hier sind die Platzverhältnisse eng und der Spielraum für Renaturierungsmassnahmen relativ klein. Im mittleren Bachabschnitt durchquert die Seeweren offen liegendes Bauland. Hier wäre der Platz für eine hochwertige Renaturierung gegeben. Im untersten Abschnitt durchfliesst die Seeweren eine Industriezone und mündet in die Muota. Die Industriezone ist teilweise überbaut, wodurch eine Renaturierung aufgrund fehlender Flächen nur begrenzt möglich ist. Im Anschluss an die Einmündung der Seeweren in die Muota folgt ein Zuflusskanal für das bestehende Kleinkraftwerk. Er verläuft bis zum Kleinkraftwerk parallel zur Muota.

Entlastung bei Hochwasser
Aus einem umfangreichen Variantenstudium geht die beste Lösung für den Hochwasserschutz und die Renaturierungsmassnahmen hervor. Diese sieht einen 2.1 km langen Entlastungskanal entlang der Seeweren vor – vom Ursprung am Lauerzersee bis zur Mündung in die Muota. Der im Querschnitt rechteckige Kanal liegt unterhalb der geplanten Kantonsstrasse von Seewen nach Brunnen, und er fasst 50 m3/s. Dadurch muss die Seeweren selbst lediglich maximal 10 m3/s führen, um ein alle hundert Jahre wiederkehrendes Hochwasser (HQ100) von 56 m3/s ableiten zu können. Das Wasser wird durch ein 15 m langes Streichwehr in den Entlastungskanal geleitet.

Lebensraum für Fauna und Flora
In den Bereichen entlang des Bachlaufes sind umfassende Renaturierungsmassnahmen vorgesehen. Wo dies nicht realisierbar ist, wird das Bachbett mit Buhnen bestückt, um eine natürliche Flussdynamik zu fördern. Die durch die Massnahmen neu geschaffenen Auengebiete sind Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, beispielsweise als Laichgebiete für die vielfältigen, dort vorkommenden Fischarten. Darüber hinaus können die Auengebiete als Naherholungsgebiete genutzt werden.
Der letzte Bachabschnitt vor der Mündung in die Muota wird neu gestaltet. Es entsteht ein grossflächiges Auengebiet mit einem Biotop, das vielen Amphibien und Vogelarten als Lebensraum dient. Mit dem Rückbau des Wasserkraftwerkes an der Seewerenmündung in die Muota kann der Mündungsbereich so umgestaltet werden, dass eine Fischwanderung zwischen dem Lauerzersee und dem Vierwaldstättersee möglich wird. Die Renaturierung der Seeweren schützt die Umgebung vor Überschwemmungen und wertet das Ortsbild von Seewen auf.
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