Bachelorarbeit Fabian Caminada

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Diplomand
Fabian Caminada
Betreuer
Imad Lifa, Dr. Ing. TU/SIA
Experte
Bruno Guntli, Dipl. Ing. FH
Disziplin
Verkehrswegebau
Jahr
2013
Lehnenviadukte für die erweiterte Oberalpstrasse
H19 Oberalpstrasse
Strassenkorrektion Cuas–Russein
Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Vernetzungen werden für den Berufs- und den Individualverkehr immer wichtiger. An die Kantonsstrassen werden deshalb immer höhere Anforderungen in puncto Sicherheit und Verfügbarkeit gestellt. So auch an die Oberalpstrasse; sie ist ein wichtiger Bestandteil der Ost-West-Achse im schweizerischen Hauptstrassennetz. Der Abschnitt zwischen Cuas und Russein entspricht nicht mehr dem ak­tuell erforderlichen Standard und ist instandsetzungs- und erweiterungsbedürftig. Ein Lehnenviadukt erfüllt die gestellten Anfor­derungen im Gebiet mit erschwerten Rand­bedingungen am besten.

Die Oberalpstrasse verbindet den Kanton Graubünden mit dem Kanton Uri und mit dem Tessin und ist zudem eine wichtige Verkehrsverbindung für die obere Surselva sowie für das Wintersport- und Wandergebiet Andermatt-Sedrun. Die Teilstrecke zwischen Sumvitg und Disentis ist gerade deshalb in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut worden. Auch die Betonbrücke Punt Russein wurde 2012 saniert und auf 10.5 m verbreitert.
Der Gesamtausbau des Abschnitts zwischen Cuas und der Brücke Punt Russein liegt bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Die Strecke ist teils so schmal, dass Lastwagen und Reise­busse nur im Schritttempo kreuzen können. Dies verursacht vor allem in der Hochsaison unzumutbare Staus. Unmittelbar talseits verläuft das Trassee der Rhätischen Bahn entlang des gesamten Abschnitts der bestehenden Strasse, und bergseits schliesst die Fahrbahn teilweise direkt an die hohen Felswände an. Der Projektabschnitt war wiederholt von Steinschlag und kleineren Felsabbrüchen betroffen. Ausserdem befindet sich die Strecke heute in einem schlechten Zustand: Der nicht frostsichere Strassenoberbau weist Schäden und entsprechende Deformationen auf. In den letzten Jahren wurde neben den notwendigen Unterhaltsar­beiten lediglich talseits ein neuer Mauerkordon erstellt.

Variantenstudium
Um die unzureichenden Verhältnisse in diesem Streckenabschnitt zu beheben, sollen nun Instandsetzungs- und Erweiterungsarbeiten projektiert werden. In einem umfangreichen Varian­tenstudium prüfte der Autor verschiedene Linienführungen. Neben der Variante mit Lehnenbrücken, die sich im Kanton Graubünden in den vergangenen Jahren bewährt hat, ar­beitete er auch bergseitige Alternativen wie Stütz­mauern und Galerien in der Felswand oder eienn Tunnel mit Sicherheitsstollen aus. Nach einer ausführlichen Analyse und Beurteilung der verschiedenen Varianten gemäss den Kriterien Kosten, Bau- und Verkehrsphasen, Unterhalt, Dauerhaftigkeit und Landschaftseingriff wählte der Autor die Variante Lehnenbrücke. Sie erwies sich bezüglich Wirtschaftlichkeit und Unterhalt als die Bestvariante.

Bauprojekt
Das neue, etwa 1070 m lange Strassentrassee verläuft weitgehend im Bereich der heutigen Oberalpstrasse. Es entspricht den Vorgaben der VSS, womit ein maximaler Fahrkomfort bei ­einer Ausbaugeschwindigkeit von 80 km/h erreicht wird. Um das Risiko von Naturgefahren wie Steinschläge und Felsstürze so weit als möglich zu minimieren, wurde die neue Linienführung talseits verschoben. Trotz des geringen Gefälles konnte mittels künstlichem Längsgefälle eine optimale Entwässerung der Strasse gewährleistet werden. Die neue bergseitige ­Sicker- und Transportleitung wurde auf ein fünfjähriges Ereignis ausgelegt.
Talseits werden neue Lehnenbrücken mit einer Gesamtlänge von rund 835 m erstellt. Sie weisen Spannweiten von 10 m und eine Platten­stärke von 60 cm auf. Die 50 cm breiten Pfeiler werden auf 1.60 × 1.60 m grosse und 80 cm ­hohe Fundamente gelagert, und Mikropfähle leiten die Auflagerkräfte in den Fels. Die Aus­senkante der Pfeiler ist wegen der engen Platzverhältnisse um 10° nach innen geneigt.
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