Bachelorarbeit Behar Rushiti

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Diplomand
Behar Rushiti
Dozent
Gian Andrea Riedi, Dipl. Ing. ETH/SIA
Experte
Benno Zarn, Dr. Dipl. Bauing. ETH
Disziplin
Ingenieurbau / Wasserbau
Jahr
2011
Schutz von Sachgütern im Prättigau
Massnahmen zum Hochwasserschutz beim Schanielabach GR
Welche Massnahmen sind notwendig, um Schutzgüter langfristig vor der Zerstörung zu bewahren? Am Beispiel des Schanielabachs im Prättigau wird aufgezeigt, wie mit technischen und ökologischen Massnahmen ein naturnaher und kostengünstiger Schutz von Sachgütern projektiert werden kann.

Die Gemeinde St. Antönien liegt in einem nördlichen Seitental des Prättigaus im Kanton Graubünden, das vom Schanielabach entwässert wird. Bei heftigen Gewittern werden im Einzugsgebiet des Schanielabachs grosse Geschiebefrachten mobilisiert, die das Gewässer in einen Wildbach mit beachtlicher Erosionskraft verwandeln.

Unwetter zerstört Holzkastensperren

Dem letzten grossen Unwetter im August 2005 konnten die fünf bestehenden Holzkastensperren im Projektperimeter nicht mehr standhalten, und sie sind kollabiert. Mit dem Wegfallen dieser Stützwirkung hat sich noch während des Hochwassers die Sohle bei den Sperren teilweise um bis zu 2 m gesenkt. Diese lokalen Tiefenerosionen führten dazu, dass auch die Ufer an den Prallhängen erodierten und seitliche Rutschungen aktiviert wurden. Diese Rutschungen verursachten einen Verlust von Landwirtschaftsland und reichten bis in die Nähe von höheren Sachwerten wie Ställen und einem Schiessstand.

Schutzkonzepte im Naturschutzgebiet

Ein grosser Teil des Projektgebiets liegt in einer Aue von regionaler Bedeutung und geniesst – gestützt durch die kantonale und die eidgenössische Gesetzgebung zum Naturschutz – einen erhöhten Schutzanspruch. Verbauungsmassnahmen in und entlang von Fliessgewässern stellen oftmals bedeutende Eingriffe in Ökosysteme dar und sind deshalb gesetzlich streng geregelt. Es wurden verschiedene Schutzkonzepte erarbeitet, welche die Böschungs- und Sohlenerosion verhindern.

Sohlenstabilisierung

Da nicht vorhersehbar ist, ob sich die Bachsohle ungünstig verändert, wird aus Sicherheitsgründen eine Sohlenstabilisierung mittels einer geschlossenen, gesetzten Blockrampe mit einem Gefälle von 6 % geplant. Eine oder mehrere integrierte Niederwasserrinnen mit Beckenstruktur fördern zusätzlich den Fischaufstieg.

Uferschutz

Ein überschütteter Blockvorbau stellt den Uferschutz für die erosionsgefährdete Böschung unterhalb des Schiessstandes sicher. Der Uferschutz wird erstellt, damit der Bach das ungeschützte Ufer nicht angreift und der Schutz der Güter, diverser Ställe und des Schiessstandes, gewährleistet ist. Die Verbauungshöhe für den Schutz gegen ein Jahrhunderthochwasser liegt bei 1.6 m. Die dazu benötigten Steine entsprechen jenen der Blockrampe; sie haben einen Durchmesser von 80 cm und eine Masse von etwa 1700 kg. Eine Kolkgefahr bei der Sohle ist durch diese Sohlenverbauung nicht mehr gegeben.

Hangstabilisierung
Die Böschung auf der rechten Seite des Baches befindet sich auf einem Gleithang. Sie wird aus Sicherheitsgründen ebenfalls verbaut. Oberhalb der Wasserlinie, das heisst der Oberkante des Uferschutzes, empfiehlt es sich, die unnatürliche, brache Böschung mit einer Erosionsschutzmatte zu sichern. Eine solche geotechnische Massnahme erfüllt die Anforderungen des Gewässerschutzgesetzes (GSchG), Art. 37 Abs. 2 (naturnahe Gestaltung), und des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG), Art. 18. Die Matte kann begrünt und bepflanzt werden, was sich positiv auf das Landschaftsbild auswirkt.
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